

Jede Gemeinde, jedes Ministerium und jeder andere öffentliche Auftraggeber in Österreich muss prüfen, ob ein Unternehmen für einen Auftrag überhaupt geeignet ist. Genau diese Prüfung bündelt der Auftragnehmerkataster Österreich (ANKÖ) seit 1999 an einer zentralen Stelle. Über 9.500 öffentliche Stellen greifen auf seine Daten zu. Gearbeitet wird in Wien, an der Schnittstelle von Software und Vergaberecht.
Im Kern führt der ANKÖ die Liste geeigneter Unternehmen, kurz LgU. Ein Bauunternehmen oder ein IT-Dienstleister hinterlegt dort einmal seine Nachweise zu Befugnis, Zuverlässigkeit sowie finanzieller und technischer Leistungsfähigkeit und muss sie nicht für jede einzelne Ausschreibung neu zusammensuchen. Über eine eindeutige ANKÖ-Nummer rufen Behörden die geprüften Daten direkt online ab. Rund 100.000 solcher Abfragen kommen so pro Jahr zusammen. Dazu betreibt der ANKÖ eine der größten Ausschreibungsdatenbanken des Landes und mit eVergabe+ eine Plattform, über die Vergabeverfahren vollständig elektronisch abgewickelt werden.
Getragen wird die Organisation breit. Im Hintergrund stehen die Wirtschaftskammer Österreich, die Bundesarbeitskammer und die Kammer der Ziviltechniker, also Institutionen, die für eine neutrale Stellung zwischen Auftraggebern und Bietern sorgen. Der ANKÖ selbst ist ein gemeinnütziger, nicht auf Gewinn ausgerichteter Verein; den operativen Betrieb übernimmt die hundertprozentige Tochter ANKÖ Service Ges.m.b.H. Geschäftsführer ist Emir Prcić. Sitz ist die Anschützgasse im 15. Wiener Gemeindebezirk.
Wer hier anfängt, arbeitet selten nur an einer Sache. Entwicklerinnen und Entwickler bauen und betreiben die Portale, die nach ISO 9001 und ISO 27001 zertifiziert sind. Im Kundenservice und in der ANKÖ Akademie erklären Fachleute öffentlichen Auftraggebern und Unternehmen, wie elektronische Vergabe in der Praxis abläuft, von der Schulung bis zum konkreten Verfahren. Vergaberecht und Datenverarbeitung greifen dabei ständig ineinander. Eine genaue Mitarbeiterzahl veröffentlicht der ANKÖ nicht. Belegt ist die Reichweite: Über 450.000 Ausschreibungen liefen in den vergangenen zwölf Monaten über die Plattform.
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